Wie die Disketten von Andy Warhol aufgearbeitet wurden

Vor einiger Zeit ging durchs Netz, dass Disketten von Andy Warhol gefunden und “restauriert” wurden. Andy Warhol hatte im Zuge einer Promokampagne einen Amiga 1000 gebutzt um Bilder am Computer zu zeichnen. An diesem Beispiel wird die gesamte Tragik von digitalen Formaten klar. Disketten zerfallen und Formate sind nicht mehr lesbar. Zum Glück gibt es findige Nerds die uns diese Kunstwerke sichern konnten.

30c3: The Pirate Cinema

Ich hatte ja schon mal über das Pirate Cinema gebloggt. Zwei Künstler die sich die Top 100 der gefragten Torrents auf Pirate Bay seeden. Die einzelnen zerstückelten Teile des Transfers werden dann per Beamer projiziert. Das ganze ist dann sehr glitchig und irgendwie auch verstörend.

Die Künstler haben einen Talk auf dem 30c3 gehalten. Ich mag das Projekt. Nur leider haben sie ihren Code nicht veröffentlicht. Ich würde mich sehr dafür interessieren.

Mark Lombardi – Kunst und Konspiration

Ich hatte bis zur letzten Documenta nichts von Mark Lombardi gehört. In Kassel zeigte man eine große, gerahmte Zeichnung von ihm. Mark Lombardi hat versucht die Zusammenhänge der Welt in seinen Werken grafisch darzustellen. Er verstarb 2000 und war so kein Zeuge des World Trade Center Attentats. Trotzdem waren auf einige seiner Werken Verbindungen der Terrornetze und anderen Entitäten dargestellt. Wann kommt es schon mal vor das das FBI Bilder in einer Kunstgalerie beschlagnahmt um es zu Recherchezwecken zu benutzen? Als ich mehr über ihn las, erfuhr ich von dem Dokumentarfilm “Kunst und Konspiration”. Und seit dem wollte ich ihn auch sehen. Also TADA!!! Schnell schauen bevor die Contentmafia das Gatter zunagelt.

Globale Verstrickungen von Politik, Wirtschaft und Terrorismus: All das visualisierte der New Yorker Künstler in Bildern. Sein plötzlicher Tod im Jahr 2000 gab Anlass zu Spekulationen, dass er das Opfer einer Verschwörung wurde. ARTE erkundet, wie Lombardis Werke entstanden und was sie bewirken.
ARTE

Die Mutter des Drone: Mutter Erde

So klingt also Mutter Erde in 9 Kilometern Tiefe. Die Künstlerin Lotte Geeven ist zu einem der tiefsten Löchern der Erde gefahren und hat ein wenig Fieldrecording vorgenommen. Ambient vom feinsten.

(via)

Aphex Twin und sein Remote Orchestra

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In letzter Zeit höre ich viel Aphex Twin. Es scheint so als ob ich mein Jugendtrauma des Konsums des “Windowlicker” Videos überwunden habe. Das Video in dem Chris Cunningham das Gesicht von Aphex Twin Richard James auf andere Köpfe geshoppt hat. Echtes Albtraum-Material. 2012 hat er ein Orchester von 48 Musikern und einem 24-köpfigen Chor per MIDI “gesteuert”. Diese trugen Kopfhörer und schauten auf eine Leinwand mit den visuellen Signalen für ihre Einsätze, Noten und Geschwindigkeit. Ok gut… man kann per MIDI sich ein Orchester zusammen klicken, aber ein Orchester per MIDI zu bedienen ist schon weltklasse. Das ganze fand am 10. September 2012 in Wroclaw, Polen statt.

Die Blade Runner Aquarell Version

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Ja ich weiß. Dies wurde die letzten Tage durch jedes Blog getrieben. Trotzdem bleibt es Blade Runner und ich muss es hier einfach posten. Anders Ramsell hat fast 13.000 Frames, aus Blade Runner, mit Aquarell nach gemalt und danach wieder animiert. Ein Augenschmaus.

Pop-Art mit Kraftwerk

Eigentlich kann ich mich nicht mehr zurück erinnern als meine Faszination für Kraftwerk anfing. Ich glaube es war der Song “Autobahn”, den ich im Radio hörte und mein Vater mir von Kraftwerk erzählte. Die Erinnerungen sind aber verwaschen. Der nächste Fixpunkt war der Auftritt Kraftwerks bei den MTV Europe Music Awards 2003. Sie wurden von Kylie Minogue angekündigt und ich erinnere mich daran wie geschockt ich von den nicht vorhandenen Emotionen des Publikums war. Wie konnte man da nicht tanzen? Vielleicht versuchten sie die vier, in grün gekleideten, Musiker auf der Bühne zu imitieren. Für mich absolut unverständlich. In Zeiten in denen wir von großen Pop-Gesten überrumpelt werden, sind vier stillstehende Männer hinter Leuchtpulten, nicht zu begreifen. Ein Performance-Brainfuck seines gleichen.

Gerade das Livealbum “Minumum-Maximum” lief bei mir rauf und runter. Jahrelang. Es rettete mich durch die tristen Tage meines Zivildienstes wenn ich zu “Mensch Maschine” Gemeindebriefe austeilte. 2009 dann die Nachricht: Kraftwerk treten für drei Konzerte in dem alten Volkswagen Kraftwerk auf. Mit mehreren Accounts ergatterte ich vier Tickets. Das erste mal das ich wirklich stundenlang überlegte welches T-Shirt ich anziehen sollte. Ich musste ja irgendwie musikalisches Verständnis heucheln. Ich entschied mich für mein altes, halb zerbröseltes, Joy Division Shirt. Als wir dann die Brücke über den Mittellandkanel überschritten hatten, konnte ich die Aufregung kaum mehr ertragen. Und mit dieser Erwartung in den Beinen wurde ich nicht enttäuscht. Was eine Show. Und als dann in der Pause noch 3D-Brillen verteilt wurden, war mir klar das ich bei etwas ganz Besonderem teilnehmen würde. Die drei Konzerte von Kraftwerk in Wolfsburg waren die Premiere ihrer 3D-Show! Dies wird in der ARTE-Dokumentation verschwiegen. Sie stellen sogar den TATE-Auftritt, in einem Londoner Kraftwerk, als den ersten ihrer Art dar. Leider ein wenig zu spät. Wolfsburg ist vielleicht nicht London, aber die Industrialität der Arbeiterstadt passt perfekt zu der Fortschrittlichkeit Kraftwerks.

Eins der besten Konzerte auf dem ich jemals war! Vielleicht sogar das Beste! 2011 war ich auf einer kleinen Museumsexkursion in München. Einer der Gründe für unseren Besuch in München war die Kraftwerk-Installation im Lenbachhaus. Dort wurden die 3D-Visuals der Band gezeigt. Auch wenn nur noch ein original Mitglied bei den Live-Auftritten dabei ist: Kraftwerk funktioniert. Sie sind ein Kunstwerk geworden welches nicht aus menschlichen Mitglieder bestehen muss. Dies hat die Ausstellung in München gezeigt.

Und nun kommen wir zu der Dokumentation “Pop-Art” auf dem Sender ARTE. Schaut sie euch an bevor die Contentmafia sie offline gehen lässt:

Jay Z macht die Marina

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Nach allem Anschein ist Performance-Art der neue heiße Scheiß. Zu mindestens wenn man sich mit Marina Abramovic schmücken kann. Zuletzt Lady Gaga und nun Jay Z. Der inszenierte sich und seinen Track “Picasso Baby” in der Pace Gallery in New York. Die “Performance” erinnert dabei stark an die Ausstellung “The Artist Is Present” von Marina Abramovic. In der sie für die komplette Zeit ihrer Ausstellung im MoMa anwesend war, an einem Tisch saß und die Gäste sich auf einen Stuhl ihr gegenüber hinsetzen konnten. Jay Z steht in einem White Cube und rappt seiner gegenüber sitzenden Person entgegen. Diese fangen teilweise an darauf zu reagieren. Das ganze wirkt natürlich einstudierter als die Performance von Frau Abramovic. Dies waren zum größtenteils fremde Leute und keine Schauspieler oder Künstler. Jay Z dagegen versammelt eine kritische Masse an Künstlern um sich herum. Neben den Künstlern auch Galeristen, Jim Jarmusch, Teile des Casts aus der Serie GIRLS und die immer anwesenden Hipster im Hintergrund. Ich frage mich ja ehrlich ob es irgendwo eine Castingagentur für die lebende Hintergrund-Dekoration gibt.

Jay Z proklamiert sich selber als der neue Picasso. Kann er ja ruhig machen. Eine gesunde Selbsteinschätzung hat noch niemanden geschadet. Auch wenn das Video besser ist als ich dachte kann ich den letzten Funken Selbstscham nicht abschalten.