Ein paar Gedanken zu The Bling Ring

blingring

Ich war ja gespannt wie ein Flitzebogen. Seit "Somewhere" ist schon einige Zeit vergangen. Und nicht nur weil ich den Film damals in einem wunderschönen Jerusalemer Kino gesehen habe, erinnere ich mich sehr gerne an ihn. Und so sehr "Somewhere" auch besondere Momente hatte, wie zum Beispiel die Szene als der Johnny Marco seiner Tochter Cleo beim Eiskunstlauftraining zuschaut, waren sie doch nicht mehr so zahlreich wie in den ersten drei Filmen von Sofia Coppola. Ich erinnere an die Traumsequenzen der Jungs in "The Virgin Suicides" wie sie die Erinnerungen an die Mädchen mit Fantasien aus ihrer Wunschvorstellungen vermengen. Oder an die großartige Szene in der Bill Murray in "Lost in Translation", gefühlt, minutenlang aus dem Taxi auf das in Morgenlicht getauchte Tokyo blickt während der Soundtrack von My Bloody Valentine den Rest erledigt. Und eigentlich der komplette Film Marie Antoinette. Ein Film den ich einmal pro Woche schauen könnte und ich würde wahrscheinlich immer noch danach meine Augen schließen müssen von der ganzen Inspirationen die durch mein Gehirn brausen. Ein Festival aus Farben und Klängen. Es gibt nichts was ich an diesem Film nicht liebe. Die angesprochenen Beispiele sind nur rausgepickte Szenen aus einem Meer an Träumerei. Immer wieder blickt ein Charakter in den Himmel zu Dreampop-artiger Musik. Das ganze in Slowmotion. Sie lassen mich diese ganze Schönheit des verlorengehens spüren. "Somewhere" hatte wirklich wenig dieser Szenen. Ein oder zwei. Für mich war es ein Stilelement in Sofia Coppolas Filmen die sehr gut für mich funktioniert haben. So gut das ich sie zu meiner liebsten Regisseurin deklariert habe. Dies wird besonders durch die Film-Collage von Kees van Dijkhuizen, der Einstellungen und Stile verschiedener Regisseure zusammen schneidet, bewusst:

Die Szeneneinstellungen wirken wie Fotografien in denen die Linien perfekt inszeniert sind. Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber mir scheint ihr Gespür für Bildkomposition reicht aus um ganze Storylines leer zulassen. Diese Passivität, die gerade bei Somewhere auf die Spitze getrieben wird, funktioniert. Es muss nicht viel geredet werden. Es muss auch nicht immer was passieren. Hauptsache ich darf dabei zuschauen.

Nun sass ich dort im Kinosessel. Das Kino füllte sich mit Teenagern. Eigentlich habe ich sogar die Befürchtung das wir die ältesten Personen im Raum waren. Ich fragte mich aus welcher tiefen Motivation dieser Film genau dieses Publikum anzieht. Captain Obvious. Es schallte junges Gekicher durch die Reihen. Und dann ging es los. Der Soundtrack ist diesmal sehr Rap lastig. Gesprenkelt mit einigen Indie-Songs und einem granatigen, Rhythmus peitschenden, Song von CAN. Und es sind genau diese Einwürfe die diese Filme, von Sofia Coppola, von dem restlichen Teenie-Film-Foo abgrenzen. Es ist die Sicht auf diese Teenager-Generation die bombardiert wird von der Darstellungssucht im Internetz. Wenn die Prominentenwelt auf Twitter suggeriert das Glamour und ihre ganze Oberflächlichkeit der Mittelpunkt des nur um sich selbst drehenden inhaltslosen Universums ist. Die Geschichte soll soweit auf einer wahren Geschichte basieren. Zu mindestens auf einen Vanity Fair Artikel über eine Gruppe Jugendlicher die in den Hollywood Hills in die Häuser von Stars einbrechen, ihre Sachen stehlen um ihnen und ihrem Lebensstils ein wenig näher zu sein. Der Erzählstil ist extrem passiv gehalten. Die Charaktere wurden nicht künstlich mit einer Aura aufgeladen mit der man sich eventuell identifizieren könnte. Sie bleiben sehr statisch und auf ihre Weise kalt. Und nichts konnte die Personen besser darstellen als genau diese Leere welche die Charaktere versuchten mit ihrem Diebesgut zu füllen. Und trotzdem fehlt mir der Zauber. Diese Momente die Sofia Coppolas Filme immer ausgemacht haben. Vielleicht muss ich den Film einfach noch ein paarmal schauen. Und das mache ich mit ihren Filmen eh immer...